Äußerungen Dritter zu Feuerbach

 

Hier finden Sie in alphabetischer Reihenfolge die Äußerungen bekannter Denker und Künstler
bzw. Biographen zu Feuerbachs Philosophie. Wählen Sie einen Buchstaben:

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Zusammenstellung: Helmut Walther

 

Buchstabe A

Louis Althusser

"Feuerbach wendet sich an die Menschheit. Er zerreißt die Schleier der universalen Geschichte; zerstört die Mythen und Lügen, entdeckt und ersttatet dem Menschen seine Wahrheit. Die Zeit ist gekommen. Die Menschheit geht schwanger mit einer nahe bevorstehenden Revolution, die ihr den Besitz ihres Seins geben wird. Die Menschen mögen sich dessen endlich bewußt werden, und sie werden wirklich das sein, was sie in Wahrheit sind: freie, gleiche und brüderliche Wesen.

1973

 

Buchstabe B

Wilhelm Bolin (Biograph und Herausgeber der Werke Feuerbachs, 1835-1924)

"Die Nebel, die anhaltend genug seine glänzende Grösse umhüllt, sind endlich gewichen. Von allen Seiten her, sei es auf dem Gebiete der Religionsforschung, der Ethik oder der seelischen Erscheinungen, bieten sich Annäherungen und Berührungspunkte mit dem Wirken Feuerbachs und eröffnen einen weiten Horizont."

Wilhelm Bolin, Ludwig Feuerbach, Sein Wirken und seine Zeitgenossen, Verlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung, Stuttgart 1891, S. 305

 

Martin Buber (1878-1965)

"Feuerbach hat jene Du-Entdeckung eingeleitet, die man die 'kopernikanische Tat' des modernen Denkens und ein 'elementares Ereignis' genannt hat, das genau so folgenschwer ist wie die Ich-Entdeckung des Idealismus und zu einem zweiten Neuanfang des europäischen Denkens führen muß, der über den ersten Cartesianischen Einsatz der neueren Philosophie hinausweist."

1952

 

Buchstabe D

Carl Dahlhaus

"Wagners Auseinandersetzung mit der 'absoluten Musik' Beethovens ist ein genaues Analogon zu Feuerbachs Auseinandersetzung mit der 'absoluten Philosophie'"

Gregor-Dellin, Richard Wagner, S. 330

 

Helmut Dahmer

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es drei Versuche, vom positivistischen Mainstream abzuweichen und die Selbstreflexion – die Dialektik von Objektivierung, Entfremdung und Wiederaneignung – für das Verständnis der Lebens-, Sozial- und Kulturgeschichte fruchtbar zu machen. Marx, Nietzsche und Freud waren Schüler Ludwig Feuerbachs. Von ihm übernahmen sie sowohl die anthropologisch-materialistische Kritik der (christlichen) Religion und des (Hegelschen) Idealismus als auch die Orientierung dieser Kritik auf eine institutionenändernde Praxis.

Helmut Dahmer: Vom Objekt zum Subjekt, Die Tageszeitung junge welt vom 05.05.2006, Feuilleton S. 12. Internet: http://www.jungewelt.de/2006/05-05/020.php

 

Buchstabe E

Friedrich Engels (1820-1895)

"Die Natur existiert unabhängig von aller Philosophie; sie ist die Grundlage, auf der wir Menschen, selbst Naturprodukte, erwachsen sind; außer der Natur und den Menschen existiert nichts, und die höhern Wesen, die unsere religiöse Phantasie erschuf, sind nur die phantastische Rückspiegelung unseres eignen Wesens ... Man muß die befreiende Wirkung dieses Buchs selbst erlebt haben, um sich eine Vorstellung davon zu machen. Die Begeisterung war allgemein: Wir waren alle momentan Feuerbachianer."

K. Marx/F. Engels: Werke, Bd. 21, S. 272.

 

Buchstabe G

Karl Grün (Erster Biograph Feuerbachs, 1817-1887)

Die Naturforscher aber, jene heilige Schaar von Priestern des erkannten Lebens, des ewigen Werdeprozesses wenn sie noch Lust und Muse zur Apotheose haben, sollen Ludwig Feuerbach in ihr Pantheon stellen. Denn er hat sie errathen, vorausverkündigt; er hat als Herkules die zwölf Großthaten vollbracht, um das hellenische Land von den Ungeheuern, Wäldern und Morästen zu säubern, vor deren Beseitigung von einer wahren Geisteskultur keine Rede sein kann. Das ist seine Bedeutung, seine Größe, in saecula saeculorum.

Karl Grün, Ludwig Feuerbach in seinem Briefwechsel und Nachlaß sowie in seiner Philosophischen Charakterentwicklung, C.F. Winter'sche Verlagshandlung, Leipzig & Heidelberg 1874, Erster Band, S. 151

 

Buchstabe H

Heinrich Heine (1797-1856)

In einem Manuskript für J. Campe bezeichnet Heine die "Herren Daumer, Bruno Bauer und Feuerbach" als "diese Götter ohne Gott", möchte dies jedoch dann geändert haben in: "diese gottlosen Selbstgötter"

Heinrich Heine, Briefe Bd. III, 389

 

Nikolaus Halmer (OE1 - ORF)

Liebe und freie Wesen - Der Philosoph als Querdenker - Teil 3
Der Philosoph Ludwig Feuerbach versteht den Menschen als ein freies Wesen, das seine Sinnlichkeit und Leiblichkeit als wesentliche Voraussetzung für ein geglücktes Leben ansieht. "Ich bin ein wirkliches, sinnliches Wesen", so schreibt er - "der Leib in seiner Totalität ist mein Ich, mein Wesen selber". Diese "neue" Philosophie der Leiblichkeit und Sinnlichkeit erlernte Feuerbach in einem kleinen Dorf, in dem er bis zu seinem Tod zurückgezogen lebte. "Ich bin nur solange etwas" bekannte er, "solange ich nichts bin".
Im Gegensatz zu den meisten akademischen Philosophen, die den Vorrang des Geistigen hervorheben, stellte Feuerbach den konkreten sinnlichen Menschen, der den Bedürfnissen des Leibes mit Genuss nachgeht. Einen zentralen Stellenwert nahm für Feuerbach die Nahrungsaufnahme ein. "Essen und Trinken hält Ich und Du zusammen" und "Man ist, was man isst".
Philosophie der Liebe
Feuerbach formulierte auch eine Philosophie der Liebe. In der sinnlichen Liebe sah er das Grundmodell menschlicher Beziehungen, das "den Glückseligkeitstrieb des Menschen befriedigt"; die Liebe des Anderen sollte dem Einzelnen über sein Wesen Bescheid sagen.
So verstanden entzieht sich die Liebe, die als Ich-Du- Beziehung gefasst wird, der begrifflichen Bestimmung, wie sie von der akademischen Philosophie vorgenommen wurde.
Feuerbach bezahlte für sein radikales Philosophieren einen hohen Preis. Sein Plädoyer für eine erfüllte Sinnlichkeit machten ihn zum Außenseiter der akademischen Philosophie. Während seine gut bezahlten akademischen Kollegen logische und metaphysische Probleme wälzten, verarmte Feuerbach und verstarb ziemlich isoliert 1872 an einem Schlaganfall.

Quelle: Internet OE1 - ORF.at 08.05.2008

 

Buchstabe J

Friedrich Jodl (Biograph und Herausgeber der Werke Feuerbachs, 1849-1914)

"Unter allen Gegnern der Hegelschen Philosophie ist Feuerbach weitaus der gewaltigste, weitaus der wichtigste. Keiner ist so tief in den innersten Geist dieser Spekulation eingedrungen, kein anderer hat sich so vollständig von ihr befreit. Der ganze Prozeß der Auflösung der spekulativen Philosophie und des Wiederaufbaus einer neuen Philosophie in enger Wechselwirkung mit Natur- und Geschichtswissenschaft, in dessen Mitte wir uns heute noch befinden, liegt in Feuerbach wie in einem großartigen Präludium, einem ausführlichen Programm vor."

Friedrich Jodl, Ludwig Feuerbach, Fr. Frommanns Verlag, Stuttgart 1904, S. 2

 

Buchstabe K

Gottfried Keller (1819-1890)

"Ich habe aber auch noch keinen Menschen gesehen, der so frei von allem Schulstaub, von allem Schriftdünkel wäre, wie dieser Feuerbach. Er hat nichts als die Natur und wieder die Natur; er ergreift sie mit allen seinen Fibern in ihrer ganzen Tiefe und läßt sich weder von Gott noch Teufel aus ihr herausreißen.".

1849

 

Hermann Kesten (1900-1996)

"Sein Leben lang hat Ludwig Feuerbach mit Gott gekämpft, und beide haben dabei gewonnen."

Rundfunkrede im Bayer. Rundfunk vom 16.09.72
abgedruckt in Gehört Gesehen, November 1972, S. 1232 ff.

 

Dr. Adolph Kohut (Biograph Feuerbachs, 1848-1917)

"Ludwig Feuerbach ist kein Materialist, aber ebenso auch kein Sensualist im gewöhnlichen Sinne. Erkennt er auch die Materie wie die Materialisten als den Urstoff alles Wirklichen und auch die sinnliche Erkenntnis als das Primäre der Vernunfterkenntnis an, so ist ihm doch das spezifisch Menschliche nicht ein Ergebnis bewegter materieller Atome oder Moleküle gleich anderen Gegenständen in der Welt und in der Natur, sondern ein an sich und für sich selbst bestehendes und auf selbständige Bedeutung Anspruch machendes, und zwar aus dem Grunde, weil alle Natur erst aus dem menschlichen Geiste gleichsam geboren werde."

Dr. Adolph Kohut, Ludwig Feuerbach, Sein Leben und seine Werke, Fritz Eckardt Verlag, Leipzig 1909, S. 406

 

Buchstabe L

Karl Löwith (1897-1973)

"Gemessen mit dem Maß von Hegels Geschichte des »Geistes« muß Feuerbachs massiver Sensualismus gegenüber Hegels begrifflich organisierter Idee als ein Rückschritt erscheinen, als eine Barbarisierung des Denkens, die den Gehalt durch Schwulst und Gesinnung ersetzt. Hegels letztes Bedenken, ob der Lärm der Zeitgenossen und die »betäubende Geschwätzigkeit« der sich darauf beschränkenden Eitelkeit überhaupt noch Raum lasse für eine leidenschaftslose Erkenntnis, wird übertönt von der wortreichen Beredsamkeit seiner Schüler, welche die Philosophie mit den Interessen der Zeit versetzten. Auf Hegels Freundschaft mit Goethe folgt das »Idyll« zwischen »Ludwig« (Feuerbach) und »Konrad« (Deubler), dessen biedere Verehrung des »großen Mannes« dem im Grunde so harmlosen Gemüte Feuerbachs durchaus gemäß war. Und doch wäre es ein großer Irrtum zu meinen, man könnte auf dem hohen Roß einer verstorbenen Philosophie des Geistes über den »Materialismus« des 19. Jahrhunderts hinwegsetzen. Feuerbachs Versinnlichung und Verendlichung von Hegels philosophischer Theologie ist schlechthin zum Standpunkt der Zeit geworden, auf dem wir nun alle – bewußt oder unbewußt – stehen."

K. Löwith, Von Hegel zu Nietzsche, S. 96

 

Buchstabe M

Karl Marx (1818-1883)

I. "... es freut mich, eine Gelegenheit zu finden, Ihnen die ausgezeichnete Hochachtung u. – erlauben Sie mir das Wort Liebe, die ich für Sie besitze, versichern zu können. Ihre "Philosophie der Zukunft", wie das "Wesen des Glaubens" sind jedenfalls trotz ihres beschränkten Umfangs von mehr Gewicht, als die ganze jetzige deutsche Literatur zusammengeworfen.
Sie haben ich weiß nicht, ob absichtlich in diesen Schriften dem Sozialismus eine philosophische Grundlage gegeben, u. die Kommunisten haben diese Arbeiten auch sogleich in dieser Weise verstanden. Die Einheit des Menschen mit dem Menschen, die auf dem realen Unterschied der Menschen begründet ist, der Begriff der Menschengattung aus dem Himmel der Abstraktion auf die wirkliche Erde herabgezogen, was ist er anders als der Begriff der Gesellschaft."

Brief von Karl Marx aus Paris an Ludwig Feuerbach in Bruckberg vom 11. August 1844

II. Feuerbach ist der einzige, der ein ernsthaftes, ein kritisches Verhältnis zur Hegelschen Dialektik hat und wahrhafte Entdeckungen auf diesem Gebiete gemacht hat, der überhaupt der wahre Überwinder der alten Philosophie ist“.

MEW EB1, S. 569 (1844)

III. "Der Hauptmangel alles bisherigen Materialismus den Feuerbachschen mit eingerechnet ist, daß der Gegenstand, die Wirklichkeit, Sinnlichkeit, nur unter der Form des Objekts oder der Anschauung gefaßt wird; nicht aber als menschliche sinnliche Tätigkeit, Praxis, nicht subjektiv. Daher geschah es, daß die tätige Seite, im Gegensatz zum Materialismus, vom Idealismus entwickelt wurde aber nur abstrakt, da der Idealismus natürlich die wirkliche, sinnliche Tätigkeit als solche nicht kennt. Feuerbach will sinnliche, von den Gedankenobjekten wirklich unterschiedene Objekte; aber er faßt die menschliche Tätigkeit selbst nicht als gegenständliche Tätigkeit. Er betrachtet daher im 'Wesen des Christenthums' nur das theoretische Verhalten als das echt menschliche, während die Praxis nur in ihrer schmutzig-jüdischen Erscheinungsform gefaßt und fixiert wird. Er begreift daher nicht die Bedeutung der 'revolutionären', der 'praktisch-kritischen' Tätigkeit."

Thesen über Feuerbach (1845) http://gutenberg.spiegel.de/marx/feuerbac/me03_005.htm

 

Buchstabe N

Friedrich Nietzsche (1844-1900)

"...Man erinnere sich, wie begeistert seinerzeit Wagner in den Fußtapfen des Philosophen Feuerbach gegangen ist: Feuerbachs Wort von der 'gesunden Sinnlichkeit' – das klang in den dreißiger und vierziger Jahren Wagner gleich vielen Deutschen (– sie nannten sich die 'jungen Deutschen') wie das Wort der Erlösung."

Genealogie der Moral, 3. Abhandlung "Was bedeuten asketische Ideale?", Nr. 3

 

Buchstabe O

Franz Overbeck (1837-1905)

"Kaum giebt sich Schleierm. sonst wie deutlicher als moderner Theologe zu erkennen als in seinen spinozist. Velleitäten. Seine Heiligsprechung Spinoza's insbesond. erin{n}ert [insbesond.] an die aller modernen Theologie geläufige Berufung auf die hartgesottensten Antichristusse in Alterthum u. zumal Gegenwart zur Apologie des Xsthms. ZB. Goethe, Feuerbach, u. Nietzsche."

Franz Overbeck, Werke und Nachlaß, Bd. 5 Kirchenlexicon. Texte. Ausgewählte Artikel J-Z, Stuttgart, Weimar 1995, S. 424

Ein ganz ähnlicher Gedanke findet sich auch an anderer Stelle:
"Es ist eine Manier des heutigen Xthms, in seiner Art sich der Welt zu geben, oder ein darin beliebter Sport, wenn sich in der modernen Welt kein bedeutender Mensch als Antichrist mehr geberden kann, ohne mit Vorliebe für das Xthm angerufen zu werden. Das müssen sich unter den Xsten moderner Observanz Goethe und Schiller, L. Feuerbach, Schopenhauer, Wagner, Nietzsche u. jedenfalls auch noch ihre Nachfahrer gefallen lassen."

aaO., Bd. 4 (A-I) S. 239 f.

 

Buchstabe R

Arnold Ruge (1802 - 1880)

"Ihr Name hat einen guten Klang und ist eine Drommete aus Jericho. Man respektirt ihn nicht wenig und Viele lesen das 2 - 3 mal, was Sie unterschrieben haben, bloss weil sie einmal wissen, dass etwas Werthvolles dahintersteckt, wenn sie Ihren Namen sehen. Kundige kennen Sie gleich, denn Sie sind sehr eigenthümlich und von so ganz besonderer Anregung, dass es Jeder fühlt, der einen Sinn und Geschmack für Geist und Gedanken hat."

Brief von A. Ruge aus Halle an L. Feuerbach vom 14. Oktober 1840 in: Karl Grün, Ludwig Feuerbach in seinem Briefwechsel und Nachlaß sowie in seiner Philosophischen Charakterentwicklung, C.F. Winter'sche Verlagshandlung, Leipzig & Heidelberg 1874, Erster Band, S. 334

 

Buchstabe S

Rüdiger Safranski

"Nein, für Feuerbach ist der Weg von Gott über die Vernunft zum Menschen ein Weg ins Licht. Mit geradezu sakralem Pathos spricht er von seinem Allerheiligsten: Leib, Du, Gemeinschaft, und er zeigt damit, daß er in gewissem Sinne diesen Weg von Gott zum Menschen doch auch wieder zurück gegangen ist: vom Menschen zum Göttlichen, genauer: zum vergöttlichten Menschen."

R. Safranski, Schopenhauer, S. 450

 

Hans-Martin Sass

"Fast wie ein Beweis seiner These von der Wirklichkeit, die sich nur in Brüchen darstellen läßt, ist Feuerbachs eigene Biographie ein einziges langes zusätzliches Zitat zum Beleg seiner Forderung der Notwendigkeit einer Veränderung. Zwar irgendwie redlich, auch immer konsequent, aber doch nicht vorbildhaft, halbherzig in Liebesangelegenheiten, voller Kommunikationsschwierigkeiten in der Ehe wie im Hörsaal, war er in keiner Weise ein renaissancehafter Vollblutmensch. In kleinbürgerlicher Konformität von Arbeit, Familie und ganz harmlosen Alltagsvergnügungen und Alltagsentbehrungen plätscherte das Leben dieses monologisierenden Denkers und Schreibers vor sich hin, der dann von der großen Welt fast unbemerkt am 13. September 1872 aus dem Leben schied."

H.-M. Sass, Ludwig Feuerbach, rororo, S. 131 f.

 

Buchstabe Sch

Arthur Schopenhauer (1788-1860)

Schopenhauers Handexemplar vom "Wesen des Christentums" weist auf ein eingehendes Studium hin; er sagt zu dieser Schrift, sie habe "viele gute Stellen, nur ist ... [Feuerbachs] Ausspruch falsch: Theologie ist Anthropologie, nein: Theologie ist Anthropomorphismus, daher ist der Ausspruch des Helvetius oder Diderot: L'homme crée Dieu à son image, ganz richtig, den Feuerbach akzeptiert hat."

J. F. Böröcz, Resignation oder Revolution
Ein Vergleich der Ethik bei Arthur Schopenhauer und Ludwig A. Feuerbach, S.6

 

Buchstabe St

Max Stirner (1806-1856)

Mit der Kraft der Verzweiflung greift Feuerbach nach dem gesamten Inhalt des Christentums, nicht, um ihn wegzuwerfen, nein, um ihn an sich zu reißen, um ihn, den langersehnten, immer ferngebliebenen, mit einer letzten Anstrengung aus seinem Himmel zu ziehen und auf ewig bei sich zu behalten. Ist das nicht ein Griff der letzten Verzweiflung, ein Griff auf Leben und Tod, und ist es nicht zugleich die christliche Sehnsucht und Begierde nach dem Jenseits? Der Heros will nicht in das Jenseits eingehen, sondern das Jenseits an sich heranziehen, und zwingen, daß es im Diesseits werde!

Stirner: Der Einzige und sein Eigentum, S. 46

 

Buchstabe T

Christoph Türcke

"Feuerbach glaubte wenigstens, daß es Gott nicht gibt, wir glauben nicht einmal das."

Naivität, in: Ch. Türcke, Kassensturz. Zur Lage der Theologie, Frankfurt/Main (FTV) 1992, S. 139.

 

Buchstabe W

Richard Wagner (1813-1883)

Die erste Ausgabe von "Das Kunstwerk der Zukunft" ist Feuerbach gewidmet; die (in die Gesammelten Schriften R. Wagners nicht mit aufgenommene) Widmung beginnt mit den Worten:

"Niemand als Ihnen, verehrter Herr, kann ich, diese Arbeit zueignen, denn mit ihr habe ich Ihr Eigentum Ihnen wieder zurückgegeben. Nur insoweit es nicht mehr Ihr Eigentum geblieben, sondern das des Künstlers geworden, musste ich unsicher darüber sein, wie ich mich zu Ihnen zu verhalten hätte: Ob Sie aus der Hand des künstlerischen Menschen das wieder zurückzuempfangen geneigt sein dürften, was Sie als philosophischer Mensch diesem spendeten. Der Drang und die tief empfundene Verpflichtung, jedenfalls Ihnen meinen Dank für die von Ihnen mir gewordene Herzstärkung zu bezeigen, überwog meinen Zweifel" ... Vgl. hierzu Wagners Brief an Uhlig v. 20. 9. 1850: "In diesen Tagen hatte ich eine grosse Freude. Feuerbach schrieb mir, und ich machte glücklich einmal wieder die Erfahrung, was es heisst, mit einem ganzen Kerle zu tun zu haben. Da ist kein "doch" und "aber", sondern rund und nett sagt er mir gerade heraus, ... dass er nicht begreifen könne, wie man über mein Buch geteilter Meinung sein könnte, dass er es mit Begeisterung, mit Entzücken gelesen habe, mich seiner vollsten Sympathie und seines wärmsten Dankes dafür versichern müsse."

Zit. nach der Dissertation von Rudolf Lück, Ratibor, Richard Wagner und Ludwig Feuerbach, Breslau 1905, S. 36 f.

 

 

Franz Wiedmann (Rororo-Monographie)

Ludwig Feuerbach veröffentlichte 1839 in den „Hallischen Jahrbüchern“ eine „Kritik der Hegelschen Philosophie“, worin er sich von der „rationellen Mystik“ Hegels lossagt und eine Philosophie der Realität des Individuellen und der Natur fordert. In seinem Hauptwerk „Das Wesen des Christentums“ (1841) streift er vollends „alles Metaphysische“ ab und verwirft „die absolute, die immaterielle, die mit sich selbst zufriedene Spekulation, – die Spekulation, die ihren Stoff aus sich selbst schöpft“. Prinzip seiner Philosophie soll nicht der absolute Geist, sondern der Mensch sein, „das Fleisch und Blut gewordene Resultat der bisherigen Philosophie“. Feuerbach sieht seine Lehre als notwendigen Fortschritt, durch den die Wahrheit der Hegelschen Philosophie hervortritt und „aufgehoben“ ist.
Den Kardinalsatz aus Hegels Religionsphilosophie („Der Mensch weiß nur von Gott, insofern Gott im Menschen von sich selbst weiß; dies Wissen ist Selbstbewußtsein Gottes, aber ebenso ein Wissen desselben vom Menschen, und dies Wissen Gottes vom Menschen ist Wissen des Menschen von Gott; der Geist des Menschen, von Gott zu wissen, ist nur der Geist Gottes selbst“) kehrt Feuerbach um und interpretiert ihn so: „Wenn, wie es in der Hegelschen Lehre heißt, das Bewußtsein des Menschen von Gott das Selbstbewußtsein Gottes ist, so ist ja per se das menschliche Bewußtsein göttliches Bewußtsein“, das heißt, „das Wissen des Menschen von Gott ist das Wissen des Menschen von sich, von seinem eigenen Wesen“. Das Wesen Gottes ist also da, wo das Bewußtsein Gottes ist – im Menschen. „Im Wesen Gottes wird dir nur dein eigenes Wesen Gegenstand, tritt nur vor dein Bewußtsein, was hinter deinem Bewußtsein liegt.“ Die Theologie geht somit ganz in der philosophischen Anthropologie auf.

Franz Wiedmann, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, rororo Bildmonographie, Reinbek 2003, S. 127 f.

 


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