Aktuelle Berichte
über Ludwig Feuerbach
und Aktivitäten
der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft



  • Tagesseminar in Nürnberg am 08.10.2011
  • Veranstaltung zum Geburtstag Ludwig Feuerbachs am 28.07.2011 auf dem Johannisfriedhof Nürnberg
  • LFG übnernimmt Patenschaft für das Grab von PJA von Feuerbach in Frankfurt


  • Bericht vom Tagesseminar in Nürnberg am 08.10.2011

    Einem fast schon Tradition gewordenen Brauch folgend veranstaltete die Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft Nürnberg auch dieses Jahr wieder ihr Herbstseminar in Nürnberg im Kleinen Saal des Nachbarschaftshauses Gostenhof und konnte sich zusammen mit 25 Teilnehmern über eine gutbesuchte und so interessante wie informative Veranstaltung freuen.


    Die Referenten von links: Helmut Walther, Tagungsleiter Dr. Frank Schulze, Ministerialrat Hans-Jürgen Stubig, Dr. Alfred Kröner, Helmut Fink, Dr. Dr. Joachim Kahl


    Nach der Begrüßung der Teilnehmer durch den Tagungsleister Dr. Frank Schulze starteten die verschiedenen Referate rund um Ludwig Feuerbach:

    Dr. Alfred Kröner untersuchte im ersten Referat des Tages die Frage: "Sind die religionsphilosophischen Ideen Ludwig Feuerbachs noch aktuell?"; Dazu entwickelte er die Grundgedanken der Feuerbachschen Religionskritik im "Wesen des Christentums" wie im "Wesen der Religion", insbesondere, dass sich hinter dem Gottesbegriff die Selbstentfaltung und Überhöhung des menschlichen Wesens verberge. Dieser im Grunde egoistischen, weil um des eigenen Seelenheiles betriebenen Selbstentfremdung des Menschen setze Feuerbach einen diesseits- und menschenzugewandten Humanismus entgegen - angesichts einer Papstrede sogar im Deutschen Bundestag, in welcher dieser seine verquere Dogmatik quasi-philosophisch verkünden könne, seien die kritischen und aufklärerischen Ansätze Feuerbachs nach wie vor hoch aktuell.

    Im zweiten Vortrag zog Helmut Fink unter dem Titel: "Feuerbach ohne Sozialismus?" Lehren aus dem Streit zwischen Friedrich Jodl und Georg von Gizycki. Den Streit um die Vereinnahmung Feuerbachs von links und rechts - man denke nur an den Marxismus, der Feuerbach lediglich als Vorstufe seiner eigenen Geschichtsphilosophie meinte ein- und unterordnen zu können - schilderte er an der Entwicklung in der Deutschen Gesellschaft für Ethische Kultur um die Wende vom 19. zum 20. Jh. mit den maßgeblich beteiligten Friedrich Jodl, Georg von Gizycki und Wilhelm Foerster. Betonten letztere das revolutionäre Moment als notwendig zu einer Umwandlung der gesellschaftlichen Verhältnisse, ging es Jodl um Reformen bei grundsätzlichem Erhalt einer bürgerlichen Gesellschaftsordnung. Sicherlich lassen sich bei Feuerbach selbst Äußerungen in beide Richtungen finden, grundsätzlich lehnt dieser aber spätestens nach den 1848/49 Jahren alles Gewaltsame ab und empfiehlt den Weg von Reformen sowohl über Aufklärung und Bildung als auch Verbesserung der gesellschaftlichen Verhältnisse für die benachteiligten Bevölkerungsschichten.

    Nach der Mittagspause wurde es richtig kriminalistisch spannend mit dem Referat von Hans-Jürgen Stubig: Recherchen und Ergebnisse hinsichtlich der Schreitmüller-Büste von Ludwig Feuerbach und deren Verbleib. Akribisch und mit brillanter fotografischer Präsentation konnte er zwei wichtige Ergebnisse vorstellen: Einerseits sei die bekannte und frühe Feuerbach-Biographie von Adolph Kohut im Irrtum, wenn die dort abgebildete Feuerbach-Büste Schreitmüller zugeschrieben wird. Vielmehr handelt es sich dabei, wie gezeigt werden konnte, um die Büste, die Friedrich Zadow gefertigt habe. Sodann zeichnete er den tatsächlichen Weg der Schreitmüller-Büste nach von der Münchner Werkstatt des jungen Münchner Bildhauers über den Rechenberg hin zu Konrad Deubler in Bad Goisern, wo denn diese Büste in einem Deubler gewidmeten Teil des Heimatmuseums heute wieder öffentlich ausgestellt ist.


    Links die echte Schreitmüller-Büste,
    rechts diejnige von Zadow, wie sie Kohut abbildet.

    Zeitlich gut mit dem vorhergehenden Referat zusammenpassend stellte sodann Helmut Walther den Briefwechsel Ludwig Feuerbachs in den Jahren 1869-1872 vor, wie er im bislang ungedruckten Band 22 der Gesammelten Werke, hg. von Prof. Dr. Werner Schuffenhauer, enthalten ist - eine Ausgabe, die in ihrem Inhalt weit über die bisher erschienenen Briefausgaben dieser Jahre hinausgeht. Es konnte gezeigt werden, dass Feuerbach trotz seines leichteren Schlaganfalls 1867 und eines weit schwereren Schlaganfalls im Juli 1870 - auch unter Zuhilfenahme seiner Tochter Leonore - trotzdem noch für seine philosophische und politische Einstellung bedeutsame und aussagekräftige Briefe wechselte, so etwa im Hinblick auf die Frauenemanzipation oder zur deutschen Kriegsführung gegen die französische Republik. Auch zeigt er sich einem engstirnigen Nationalismus gerade auch in der Philosophie abhold, indem er die Entwicklung und Durchsetzung einer humanistischen Philosophie als eine Aufgabe aller Völker bezeichnet. Es bleibt zu hoffen, dass die Schuffenhauersche Gesamtausgabe mit den bisher ungedruckten Bänden 15, 16 und 22 noch vollendet werden kann.


    Kaffeepause in der Cafeteria des NHG

    In seinem Vortrag "Die 'drei gottlosen Maler von Nürnberg' im Lichte der Religionsphilosophie Ludwig Feuerbachs" stellte Dr. Dr. Joachim Kahl die im Jahr 1525 aus Nürnberg vertriebenen Maler Jorg Pentz, Barthel und Sebald Beheim in die Reihe freisinniger Tradition in Nürnberg bis hin zu Ludwig Feuerbach und Hermann Kesten; so zeigt das erhaltene Protokoll der vom Nürnberger Rat durchgeführten Untersuchung eine agnostische bzw. deistische und zugleich anarchistische Grundeinstellung der drei Verhörten. Umso problematischer erschien dem Referenten manche Darstellung des Katalogs der Nürnberger Ausstellung zu den drei Malern in diesem Jahr im Dürer-Haus, in dem deren spielkartengroße Miniaturstiche teils christlich vereinnahmt werden (wie es ja auch Feuerbach häufig geschieht) bzw. als Pornographie statt als Gesellschaftskritik bewertet werden.

    Nach einer lebhaften Schlussdiskussion zeigten sich die Teilnehmer hochzufrieden mit dem Gehörten und Gesehenen - überdies sollen die Referate in einer weiteren Ausgabe der Schriftenreihe der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft mit weiteren ergänzenden Texten im nächsten Jahr publiziert werden.

    Bericht: Helmut Walther
    Fotos: Monika Stubig / Helmut Walther




    Veranstaltung zum Geburtstag Ludwig Feuerbachs am 28.07.2011
    auf dem Johannisfriedhof Nürnberg

    Auch zum 207. Geburtstag von Ludwig Feuerbach trafen sich wieder Mitglieder der Nürnberger Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft e.V. am Grabe des Philosophen auf dem Nürnberger Johannisfriedhof, um mit der Niederlegung eines Blumengebindes das Andenken dieses Denkers zu ehren. Dr. Kröner (Bild unten) erinnerte mit einem Zitat aus der Schrift "Die Unsterblichkeitsfrage vom Standpunkt der Anthropologie" an dessen im besten Sinne aufklärerisches Wirken; hier das Zitat des Textes (Werner Schuffenhauer (Hg.), Ludwig Feuerbach, Kleinere Schriften III (Band 10), Akademie-Verlag Berlin 1982, S. 214):

    Nirgends zeigt sich daher die Unvernunft und Verderblichkeit des Christentums deutlicher als darin, daß es die Unsterblichkeit, die selbst den träumerischsten Weisen des Altertums immer etwas Zweifelhaftes, Ungewisses blieb, für etwas Gewisses, ja, das Allergewisseste ausgegeben und so den Gedanken an ein künftiges, besseres Leben zum angelegentlichsten Gedanken der Menschheit gemacht hat. Der Mensch soll allerdings nicht, wenigstens wenn ihm dieser Gedanke das Leben verbittert, an sein Ende, sein Nichtsein denken; aber töricht, ja, verderblich ist es, dem Menschen ein besseres Leben nach dem Tode zu versprechen; denn „das Bessere ist der größte Feind des Guten“. Genießt das Gute des Lebens und verringert nach Kräften die Übel desselben! Glaubt, daß es besser sein kann auf der Erde, als es ist; dann wird es auch besser werden. Erwartet das Bessere nicht von dem Tode, sondern von euch selbst! Nicht den Tod schafft aus der Welt; die Übel schafft weg – die Übel, die aufhebbar sind, die Übel, die nur in der Faulheit, Schlechtigkeit und Unwissenheit der Menschen ihren Grund haben, und gerade diese Übel sind die schrecklichsten. Der naturgemäße Tod, der Tod, der das Resultat der vollendeten Lebensentwicklung, ist kein Übel; aber wohl der Tod, der eine Folge der Not, des Lasters, des Verbrechens, der Unwissenheit, der Roheit. Diesen Tod schafft aus der Welt, oder sucht ihn wenigstens soviel als möglich zu beschränken! So spricht die Vernunft zum Menschen; anders das Christentum, welches, um ein eingebildetes Übel zu beseitigen, die wirklichen Übel des Lebens unangefochten bestehen ließ, welches, um den Tod zum Leben zu machen, das Leben uns zum Tode gemacht hat, welches, um übernatürliche, phantastische, luxuriöse Wünsche des Menschen zu befriedigen, den Menschen gegen die Befriedigung der nächsten, notwendigsten natürlichen Bedürfnisse und Wünsche gleichgültig gemacht hat. Das Christentum hat dem Menschen mehr geben wollen, als er selber in Wahrheit verlangt; es hat sich die Erfüllung der unerreichbaren Wünsche zum Ziel gesetzt, aber ebendeswegen nicht die erreichbaren Wünsche erfüllt.

    Nach dieser Erinnerung an das Wirken Ludwig Feuerbachs wandten sich die Teilnehmer zum Grab des Neffen des Philosophen, Anselm Feuerbach, das wenige Meter neben dem Grab Albrecht Dürers zu finden ist (auf dem Foto ist hinter dem Grab von Anselm auch das Dürer-Grab zu sehen). Dr. Kröner erzählte, wie es dazu kam, dass dieser unstete Künstler schließlich auf Betreiben seiner Stiefmutter Henriette in Nürnberg beerdigt wurde, und auf deren Einwirkung es auch zurückging, dass Anselm beim Dürer-Grab zu liegen kam und die Stadt Nürnberg die Grabpflege für alle Zukunft übernahm.

    Hier einige Fotos beider Gräber (Fotos und Bericht: Helmut Walther)




    Übernahme der Patenschaft für das Grab von Ritter Paul Johann Anselm von Feuerbach
    in Frankfurt durch die LFG Nürnberg

    Lesen Sie dazu in der rechten Spalte den Bericht der Nürnberger Nachrichten (S. 11)


    Foto: Monika Stubig

    Am 29. Mai 1833 starb Paul Johann Anselm von Feuerbach unerwartet und plötzlich auf einer Reise in Frankfurt und wurde - auf eigenen Wunsch - auf dem Frankfurter Hauptfriedhof begraben. Um dieses Ehrengrab in einen würdigen Zustand zu versetzen und zu erhalten, übernimmt die LFG Nürnberg auf Initiative und unter Federführung unseres Mitglieds Hans-Jürgen Stubig die Patenschaft und Pflege dieser Grabstätte. Sobald die entsprechenden Maßnahmen vor Ort gegriffen haben, werden wir auf unserer Webseite dazu einen ausführlichen Bericht veröffentlichen.
    Unser Dank gilt vor allem den umfangreichen Aktivitäten unseres Mitglieds, Ministerialrat Hans-Jürgen Stubig, der diese Verhandlungen übernommen und sich in jeder Hinsicht für dieses Vorhaben stark engagiert hat.






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    Letzte Aktualisierung der Seite: 10.10.2011


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